Ich helfe anderen, mir jedoch nicht

“Letztes Jahr habe ich zwei Healing-Workshops belegt, die mir sehr gut getan haben. Ich sehe, dass es bei anderen funktioniert. Auch dass ich anderen im Seminar helfen kann und sogar privat drei Bekannten habe helfen können. Doch mit mir selber arbeiten ist schwer…ich bekomme keine Bilder oder Eingebungen/Antworten und bin immer wieder mit meinen Problemen konfrontiert. Dabei sehne ich mich nach innerer Ruhe und Ausgeglichenheit, nach Fülle und viel Spaß….auf allen Ebenen.”

Deine Nachricht ist von mehreren Aspekten durchdrungen. Auf der einen Seite steht dein Wille, dein Leben ändern zu wollen und deine Lebensqualität zu verbessern. Auf der anderen Seite steht deine unbewusste Angst, deinen Themen gegenüberzutreten, so dass dein Zugang zu diesen blockiert ist. Weiterhin gibt es eine Erwartung in dir, was konkret das Ergebnis eines Seminares sein soll, die sich für dich so jedoch nicht erfüllt. Darüber hinaus gibt es bei dir zwischen „innerer Ruhe“ und „Spaß auf allem Ebenen“ sehr offensichtliche Gegensätze in der Erwartungshaltung deinem Leben gegenüber. Auf diese Aspekte werde ich nun der Reihe nach eingehen.

Zunächst stellst du fest, dass, wenn du anderen hilfst, sie danach problemfreier leben. Bereits dies weckt einen inneren Konflikt in dir, da du unbewusst annimmst, weil es diesen Menschen besser geht, sie überhaupt keine Probleme mehr haben. Deine unbewusste Schlussfolgerung lautet, dass du dabei das Nachsehen hast, da du ja selbst noch mit eigenen Problemen zu kämpfen hast. Eine solche Annahme beruht immer auf innerem Mangel. Hier gelingt es dir noch nicht, wertvolle Ergebnisse, die du dadurch erlangst, indem du anderen hilfst, als gewinnbringend für dich zu sehen. Entsprechend kannst du dadurch dieses neue Wissen noch nicht für dich und dein Leben nutzen. Versuche Parallelen zu dir und deinem Leben zu finden, wenn du anderen hilfst, damit dieses Wissen für dich wertvoll wird.

Außerdem vergleichst du dich mit anderen. Vergleiche führen in uns immer zu Leid und Trennung und resultieren aus dem zuvor erwähnten inneren Mangel. Vielleicht gelingt es dir zu erkennen, dass genauso, wie du andere weitergebracht hast, andere auch dich in Punkten, denen du vielleicht weniger Wert beimisst, ebenso im Rahmen dieser Seminare weitergebracht haben. Versuche deshalb den Aspekt des Gebens weiterhin offen zu gestalten und den Teil, der sich benachteiligt in dir fühlt, besonders in den Momenten zu versorgen und ihm Aufmerksamkeit zu schenken, wenn er sich am deutlichsten zeigt. Denn sonst kann es an dieser Stelle passieren, dass in dir der Wunsch entsteht, dich lieber zurückzuziehen.

Wir neigen dazu, besonders die Themen, die uns wirklich berühren und die tatsächlich etwas in uns auslösen, auf Distanz zu halten, da der erste Blick dahin und der erste Kontakt damit, in der Mehrheit der Fälle schmerzhaft ist. Deshalb fällt es dir schwer, mit deinen großen Themen, die dich immer wieder einholen, in wirklichen Kontakt zu kommen. Hier empfiehlt es sich, dich diesen Themen mit Hilfe von Übungspartnern in Seminaren oder mit einer anderen außenstehenden Person zu nähern, da es jemandem von außen schon allein durch die natürliche Distanz zum Thema leichter fällt, es neutraler als du zu betrachten.

Was den Umgang mit deinen Themen betrifft, empfiehlt es sich zudem, dass du dich ihnen mit einer anderen Grundeinstellung näherst: Versuche nicht, sie loszuwerden, sondern, im Gegenteil, sie so anzunehmen, wie sie sind. Da du deine Probleme bislang nicht als Wachstumschancen siehst, machst du sie zu deinem Feind, etwas Lästigem, das dein Leben verlassen soll. Wir Menschen neigen dazu, solche Probleme abzuwälzen, ohne den Bezug zu uns selbst herzustellen. Wir wollen am liebsten den Aspekt, dass das aktuelle Problem etwas mit uns zu tun hat und wir daher Verantwortung dafür übernehmen müssen, ausblenden. Auf diese Weise werden deine Seminarbesuche zu einem Werkzeug, um dem, was du in dir trägst, nicht länger begegnen zu müssen, und das, was du fühlst, nicht länger fühlen zu müssen. Damit versuchst du, die Aspekte in dir auszugrenzen, die sich in Form von Problemen in deinem Leben aufzeigen und eigentlich am dringendsten gesehen und angenommen werden müssten. Deshalb wende deinen Blick auf diese Probleme und benenne sie in Zukunft für dich als Herausforderung und Chance, an denen du wachsen kannst. Dies mindert deine negative Bewertung. Vielleicht weckt diese Betrachtungsweise ja sogar deine Neugier, dich tiefer zu erfahren.

Seminarbesuche lohnen sich also nur insofern für dich, wenn du sie nicht dazu nutzt, etwas in dir loswerden zu wollen, sondern dir auch all deiner unangenehmen Seiten bewusst zu werden und so Aspekte deiner selbst wieder zurückzugewinnen. Erst dieser Schritt wird dir die Möglichkeit eröffnen, Bilder und Eingebungen oder sogenannte Aha-Momente für dich selbst zu erhalten. Frage dich vor dem Besuch zukünftiger Seminare auch gerne selbst, was deine Erwartungshaltung an ein Seminar ist, woher diese kommt und in Bezug zu was oder wem diese Erwartungshaltung entstanden ist.

Deine Sehnsucht nach Ausgeglichenheit und Ruhe kann sich erst durch die Begegnung mit deinen unschönen Themen verwirklichen. Erst wenn diese zurück in dein Bewusstsein kommen und wieder Teil von dir werden, hören sie auf, deine Gefühlswelten und dein Leben regelmäßig und in Eigenregie auf den Kopf zu stellen. Es ist zudem widersprüchlich, einerseits Ruhe und Ausgeglichenheit zu finden und gleichzeitig viel Spaß auf allen Ebenen zu haben. Dies ist ein künstliches Scheinbild, welches mit der Realität nur wenig gemein hat. Egal ob jung oder alt, reich oder arm, glücklich oder unglücklich – jeder Mensch wird in seinem Leben immer wieder vor Herausforderungen gestellt, an denen wir wachsen können. Du musst also für dich prüfen, wie bewusst du deinen Herausforderungen begegnest. Denn erst hieraus entsteht erfülltes Leben – was jedoch nicht immer nur Spaß und Freude oder Vergnügen bedeuten muss.

Ich wünsche dir, dass du ganz bewusst auch all die Aspekte in dein Leben einlädst, die unbewusst sowieso bereits Teil deines Lebens sind und dich mit den Gefühlen, die sie in dir auslösen, wieder zu verbinden. Nur in dieser Form, sie zunächst nicht ändern zu wollen, sie so sein zu lassen, wie sie sind, sie als Teil von dir anzunehmen und zu lieben, können diese Aspekte in dir und in deinem Leben transformieren. Jeder Versuch einer Änderung, jeder Versuch, sie loswerden zu wollen, hält deinen Kampf gegen etwas in dir letztendlich nur länger aufrecht. Ich wünsche dir viel Erfolg auf deinem Weg.

-Deine Diana Hellers-

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Ich helfe anderen, mir jedoch nicht, Diana Hellers

2018-09-21T16:04:51+00:00